Welche Blutdrucksenker haben die wenigsten Nebenwirkungen?
Die Auswertung umfasste 716 klinische Studien mit mehr als 159.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Verglichen wurden wichtige Gruppen von blutdrucksenkenden Mitteln, darunter ACE-Hemmer, Sartane, Betablocker, Calciumkanalblocker und Thiazid-Diuretika. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie häufig Patienten ihre Behandlung wegen Nebenwirkungen abbrachen.
Das Wichtigste in Kürze
- Sartane gehörten in der Auswertung zu den am besten verträglichen Blutdrucksenkern.
- Am besten schnitt die Kombination aus Sartan und Calciumkanalblocker ab.
- Vier der fünf bestplatzierten Therapien enthielten ein Sartan.
- ACE-Hemmer können wirksam sein, verursachen aber bei manchen Menschen trockenen Reizhusten.
- Calciumkanalblocker können Wassereinlagerungen an Füßen und Knöcheln begünstigen.
- Blutdruckmedikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt werden. Wer Nebenwirkungen bemerkt, sollte ärztlich klären lassen, ob ein Wechsel oder eine Anpassung sinnvoll ist.
Warum die Verträglichkeit von Blutdruckmedikamenten so wichtig ist
Bluthochdruck muss meist über viele Jahre, häufig sogar lebenslang behandelt werden. Damit die Therapie dauerhaft schützt, müssen die Medikamente regelmäßig eingenommen werden. Genau hier liegt ein häufiges Problem: Treten unangenehme Nebenwirkungen auf, setzen manche Betroffene ihre Blutdruckmedikamente eigenständig ab oder nehmen sie nur noch unregelmäßig ein.
Das kann riskant sein. Bleibt der Blutdruck dauerhaft zu hoch, steigt das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche und Nierenschäden. Deshalb ist bei der Behandlung nicht nur wichtig, wie stark ein Medikament den Blutdruck senkt. Es muss auch gut in den Alltag passen und möglichst gut verträglich sein.
Einen allgemeinen Überblick über verschiedene Wirkstoffgruppen finden Sie auch im Artikel Bluthochdruck-Medikamente.
Welche Blutdruckmedikamente wurden verglichen?
Für die Untersuchung wurden die fünf wichtigsten Gruppen von Blutdruckmedikamenten sowie verschiedene Kombinationen verglichen:
- ACE-Hemmer, zum Beispiel Ramipril, Enalapril oder Lisinopril
- Sartane, zum Beispiel Candesartan, Valsartan oder Losartan
- Betablocker, zum Beispiel Metoprolol oder Bisoprolol
- Calciumkanalblocker, auch Calcium-Antagonisten genannt, zum Beispiel Amlodipin oder Nifedipin
- Thiazid-Diuretika, zum Beispiel Hydrochlorothiazid oder Chlortalidon
Die Forscher untersuchten vor allem, wie häufig Patientinnen und Patienten ihre Behandlung wegen Nebenwirkungen abbrachen. Dieser Punkt ist für die Praxis besonders wichtig: Ein Medikament kann nur schützen, wenn es auch regelmäßig eingenommen wird.
Welche Blutdrucksenker waren am besten verträglich?
Das auffälligste Ergebnis der Studie: Medikamente aus der Gruppe der Sartane gehörten insgesamt zu den am besten verträglichen Blutdrucksenkern. In den ausgewerteten Studien brachen Patienten eine Behandlung mit einem Sartan sogar seltener wegen Nebenwirkungen ab als Teilnehmer, die lediglich ein Placebo erhielten.
Besonders gut schnitt die Kombination aus einem Sartan und einem Calciumkanalblocker ab. Sie war die am besten verträgliche aller untersuchten Therapien. Insgesamt enthielten vier der fünf bestplatzierten Behandlungen ein Sartan.
Zu den Behandlungen, die in dieser Auswertung häufiger wegen Nebenwirkungen abgebrochen wurden, gehörten Calciumkanalblocker als alleinige Therapie, ACE-Hemmer in Kombination mit Calciumkanalblockern sowie Betablocker in Kombination mit Thiazid-Diuretika.
Blutdrucksenker im Vergleich: Verträglichkeit und typische Nebenwirkungen
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Verträglichkeit in der Studie | Typische mögliche Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Sartane | Candesartan, Valsartan, Losartan | Sehr gut; vergleichsweise selten Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen | Je nach Patient unter anderem Schwindel oder Müdigkeit möglich |
| Sartan + Calciumkanalblocker | zum Beispiel Valsartan + Amlodipin | Beste Verträglichkeit der untersuchten Therapien | Mögliche Nebenwirkungen beider Wirkstoffgruppen beachten |
| ACE-Hemmer | Ramipril, Enalapril, Lisinopril | Bewährt, aber nicht Spitzenreiter bei der Verträglichkeit | Trockener Reizhusten ist eine typische Nebenwirkung |
| Calciumkanalblocker | Amlodipin, Nifedipin | Als Einzeltherapie häufiger Therapieabbrüche als einige andere Gruppen | Wassereinlagerungen, vor allem an Füßen und Knöcheln |
| Betablocker | Metoprolol, Bisoprolol | Keine Spitzenposition; Kombination mit Thiazid-Diuretikum ungünstiger | Je nach Patient Müdigkeit, niedriger Puls oder Leistungsabfall möglich |
| Thiazid-Diuretika | Hydrochlorothiazid, Chlortalidon | Verträglichkeit abhängig von Patient und Kombination | Häufigeres Wasserlassen oder Veränderungen von Elektrolyten möglich |
Sartane: besonders gut verträglich in der Analyse
Sartane, auch Angiotensin-II-Rezeptorblocker genannt, zeigten in der Studie eine besonders gute Verträglichkeit. Sie wurden vergleichsweise selten wegen Nebenwirkungen abgesetzt. Auch Kombinationen, die ein Sartan enthielten, erreichten häufig gute Ergebnisse.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Sartane automatisch für jeden Menschen die beste Wahl sind. Die persönliche Krankengeschichte, die Nierenfunktion, Begleiterkrankungen und weitere Medikamente müssen immer berücksichtigt werden.
ACE-Hemmer: bewährt, aber Reizhusten möglich
ACE-Hemmer sind bewährte Blutdrucksenker und werden sehr häufig eingesetzt. Eine typische Nebenwirkung ist jedoch trockener Reizhusten. Manche Patienten kommen damit gut zurecht, andere empfinden den Husten als so störend, dass ein Wechsel des Wirkstoffs besprochen werden sollte.
In der Studie fiel außerdem auf, dass die Kombination aus ACE-Hemmer und Calciumkanalblocker häufiger zu Therapieabbrüchen wegen Nebenwirkungen führte als Placebo.
Calciumkanalblocker: wirksam, aber häufiger Wassereinlagerungen
Calciumkanalblocker können den Blutdruck wirksam senken. Gleichzeitig traten unter ihnen häufiger Wassereinlagerungen auf, vor allem an Füßen und Knöcheln. Als alleinige Therapie wurden Calciumkanalblocker in der Studie häufiger wegen Nebenwirkungen abgesetzt als einige andere Wirkstoffgruppen.
Das bedeutet nicht, dass Calciumkanalblocker grundsätzlich schlecht verträglich sind. Viele Menschen kommen gut damit zurecht. Entscheidend ist, ob Beschwerden auftreten, wie stark sie sind und ob eine andere Dosierung oder Kombination besser geeignet sein könnte.
Betablocker und Thiazid-Diuretika: abhängig von Patient und Kombination
Betablocker zeigten insgesamt keine Spitzenposition bei der Verträglichkeit. Besonders ungünstig schnitt in der Studie die Kombination aus Betablocker und Thiazid-Diuretikum ab. Diese Kombination gehörte zu den Behandlungen, die häufiger wegen Nebenwirkungen abgebrochen wurden.
Thiazid-Diuretika, umgangssprachlich manchmal auch als entwässernde Blutdruckmittel bezeichnet, können je nach Patient und Kombination sinnvoll sein. Die Verträglichkeit hing in der Studie jedoch stark davon ab, mit welchem anderen Wirkstoff sie kombiniert wurden.
Typische Nebenwirkungen von Blutdruckmedikamenten
Nebenwirkungen können je nach Wirkstoffgruppe, Dosierung, Alter, Begleiterkrankungen und weiteren Medikamenten unterschiedlich ausfallen. Häufig diskutiert werden vor allem folgende Beschwerden:
ACE-Hemmer:
Trockener Reizhusten ist eine bekannte Nebenwirkung. Typische Beispiele für ACE-Hemmer sind Ramipril, Enalapril oder Lisinopril.
Calciumkanalblocker:
Wassereinlagerungen können besonders an Füßen und Knöcheln auftreten. Ein häufig eingesetzter Wirkstoff ist Amlodipin.
Viele Blutdrucksenker:
Schwindel kann besonders zu Beginn der Behandlung auftreten. Das liegt häufig daran, dass der Blutdruck sinkt und sich der Körper erst an niedrigere Werte gewöhnen muss.
Betablocker:
Manche Patienten berichten über Müdigkeit, einen niedrigeren Puls oder eine geringere körperliche Belastbarkeit. Ob das relevant ist, hängt stark von der individuellen Situation ab.
Thiazid-Diuretika:
Je nach Wirkstoff und Dosierung können häufigeres Wasserlassen oder Veränderungen bestimmter Blutwerte auftreten. Ärztliche Kontrollen können deshalb wichtig sein.
Interessant war außerdem: Unter den meisten Blutdruckmedikamenten nahmen Kopfschmerzen eher ab. Das könnte damit zusammenhängen, dass ein besser eingestellter Blutdruck selbst seltener Beschwerden verursacht.
Verträglichkeitsübersicht
Sehr gut verträglich in der Auswertung:
✓ Sartan + Calciumkanalblocker
✓ Sartan allein
✓ Weitere Kombinationen mit Sartan
Mittlere Verträglichkeit:
○ ACE-Hemmer
○ Betablocker
○ Thiazid-Diuretika
Häufigere Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen:
⚠ Calciumkanalblocker allein
⚠ ACE-Hemmer + Calciumkanalblocker
⚠ Betablocker + Thiazid-Diuretikum
Grenzen der Studie: Keine Therapieempfehlung für jeden Einzelnen
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in der Verträglichkeit verschiedener Blutdruckmedikamente. Sie bedeuten jedoch nicht, dass Sartane für jeden Patienten automatisch die beste Wahl sind.
Wichtig ist außerdem: Die Auswertung beruht auf Kurzzeitstudien mit einer Nachbeobachtung von 4 bis 26 Wochen. Die durchschnittliche Beobachtungsdauer lag bei 8,6 Wochen. Langfristige Nebenwirkungen, individuelle Begleiterkrankungen, Nierenfunktion, andere Medikamente und persönliche Risiken müssen ärztlich berücksichtigt werden.
Die Studie bewertet also die durchschnittliche Verträglichkeit in klinischen Studien. Sie ersetzt keine individuelle Therapieentscheidung.
Was bedeutet das für Patienten?
Die Ergebnisse zeigen: Blutdruckmedikamente unterscheiden sich nicht nur darin, wie sie wirken, sondern auch darin, wie gut sie vertragen werden. Besonders Sartane schnitten in dieser Auswertung gut ab.
Das bedeutet aber nicht, dass alle Patienten automatisch ein Sartan einnehmen sollten. Welche Behandlung am besten geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehören zum Beispiel Alter, Begleiterkrankungen, Nierenfunktion, weitere Medikamente, andere Erkrankungen und individuelle Risiken.
Wichtig ist deshalb: Blutdruckmedikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt werden. Wer Nebenwirkungen bemerkt, sollte diese ärztlich abklären lassen. Oft lässt sich durch einen Wechsel des Wirkstoffs, eine andere Dosierung oder eine andere Kombination eine besser verträgliche Lösung finden.
Weitere Hinweise finden Sie im Artikel Tipps zum richtigen Umgang mit Bluthochdruck-Medikamenten.
Wie Sie Nebenwirkungen besser für das Arztgespräch dokumentieren
Wer den Verdacht hat, ein Blutdruckmedikament nicht gut zu vertragen, sollte Beschwerden möglichst konkret festhalten. Hilfreich sind Datum, Uhrzeit, gemessene Blutdruckwerte, Puls, eingenommene Medikamente und die beobachteten Beschwerden.
So lässt sich beim Arzttermin besser beurteilen, ob die Beschwerden zeitlich mit einer neuen Dosierung, einem neuen Wirkstoff oder einer Kombination zusammenhängen könnten.
Ein Blutdrucktagebuch kann dabei helfen, Messwerte und Medikamenteneinnahme übersichtlich zu dokumentieren und Veränderungen besser zu erkennen.
Mit der BlutdruckDaten App können Sie Blutdruckwerte, Puls und Medikamente dokumentieren und für den Arzttermin übersichtlich auswerten.
Häufige Fragen zu Blutdrucksenkern und Nebenwirkungen
Welche Blutdrucksenker haben die wenigsten Nebenwirkungen?
In der JAMA-Auswertung wurden Sartane besonders gut vertragen. Am besten schnitt die Kombination aus einem Sartan und einem Calciumkanalblocker ab. Trotzdem hängt die passende Therapie immer von der individuellen Situation ab.
Sind Sartane besser verträglich als ACE-Hemmer?
In der Analyse wurden Sartane seltener wegen Nebenwirkungen abgesetzt. ACE-Hemmer sind ebenfalls bewährte Blutdrucksenker, können aber häufiger trockenen Reizhusten verursachen.
Gibt es Blutdrucksenker ohne Nebenwirkungen?
Nein. Auch gut verträgliche Blutdruckmedikamente können Nebenwirkungen verursachen. Entscheidend ist, ein Medikament oder eine Kombination zu finden, die wirksam ist und im Alltag möglichst gut vertragen wird.
Was kann man tun, wenn Ramipril Husten verursacht?
Trockener Reizhusten ist eine bekannte Nebenwirkung von ACE-Hemmern wie Ramipril. Betroffene sollten das Medikament nicht eigenständig absetzen, sondern ärztlich besprechen, ob ein Wechsel sinnvoll ist.
Was tun bei Wassereinlagerungen durch Amlodipin?
Wassereinlagerungen an Füßen oder Knöcheln können unter Calciumkanalblockern wie Amlodipin auftreten. Auch hier sollte ärztlich geprüft werden, ob Dosis, Wirkstoff oder Kombination angepasst werden können.
Darf man Blutdrucktabletten wegen Nebenwirkungen einfach absetzen?
Nein. Ein plötzliches Absetzen kann riskant sein, weil der Blutdruck wieder ansteigen kann. Nebenwirkungen sollten dokumentiert und zeitnah mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.
Fazit
Nebenwirkungen sind ein wichtiger Grund dafür, dass Menschen ihre Blutdrucktherapie abbrechen. Die aktuelle Auswertung zeigt, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Wirkstoffgruppen gibt. Besonders Sartane und sartanbasierte Kombinationen wurden gut vertragen. Am besten schnitt die Kombination aus Sartan und Calciumkanalblocker ab.
Wer seine Blutdruckmedikamente nicht gut verträgt, sollte die Behandlung nicht einfach abbrechen, sondern mit der Ärztin oder dem Arzt über mögliche Alternativen sprechen.
Quellen
- Wang N, Van Der Hoorn S, Pant R, et al. Adverse Effects and Treatment Discontinuation of Blood Pressure-Lowering Drugs and Combinations: A Network Meta-Analysis. JAMA. 2026;335(24):2135-2145. doi:10.1001/jama.2026.6214. https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2849512
- aponet.de: Große Bluthochdruck-Studie: Sartane schneiden bei Nebenwirkungen am besten ab.https://www.aponet.de/artikel/grosse-bluthochdruck-studie-sartane-schneiden-bei-nebenwirkungen-am-besten-ab-33499
Autorin Sabine Croci ist examinierte Medizinische Fachangestellte mit langjähriger Erfahrung in internistischer und kardiologischer Praxis wie auch in der ambulanten Pflege und leitet seit 2015 die Fachredaktion von BlutdruckDaten. Dank ihrer umfassenden Zusatzqualifikationen als Rettungssanitäterin, First Responder und in verschiedenen Therapie- sowie Notfallbereichen liefert sie fundierte, praxisnahe und verlässlich geprüfte Informationen.

