Blutdruck und Persönlichkeitstyp
Gewissenhaftigkeit ist gut für den Blutdruck
Sie beschreiben, wie Menschen typischerweise denken, fühlen und handeln:
1. Offenheit für Neues
Bezeichnet wie neugierig und kreativ jemand ist. Eine hohe Offenheit besitzt z.B. jemand, der interessiert an neuen Ideen ist und gerne Neues ausprobiert. Weniger offene Menschen lieben Gewohntes und klare Regeln.
2. Gewissenhaftigkeit
Bezeichnet wie organisiert und zuverlässig jemand ist. Menschen mit hoher Gewissenhaftigkeit planen gut, arbeiten sorgfältig und halten Termine ein. Weniger gewissenhafte Menschen sind eher spontan, manchmal auch chaotisch
3. Extraversion
Bezeichnet wie gesellig und kontaktfreudig jemand ist. Sehr extravertierte (oder extroverierte) Menschen sind aktiv und gerne unter Menschen, meist reden sie auch gerne. Weniger extravertierte Menschen sind eher ruhig und benötigen mehr Zeit für sich alleine
4. Verträglichkeit
Bezeichnet wie freundlich und hilfsbereit jemand ist. Menschen mit hoher Verträglichkeit sind mitfühlend, kooperativ und rücksichtsvoll. Eine niedrige Verträglichkeit zeigt sich bei eher kritischen und durchsetzungsstarken Menschen.
5. Neurotizismus
Bezeichnet wie stark jemand zu negativen Gefühlen neigt. Personen die hier höher eingestuft werden, sind schneller gestresst, ängstlich oder unsicher. Eine niedrigere Einstufung haben Personden die emotional stabil und gelassen sind.
Wichtig: Jeder Mensch hat alle fünf Merkmale – nur in unterschiedlicher Stärke.
Was eine japanische Langzeitstudie zu den „Big Five“ zeigt
Kann unsere Persönlichkeit beeinflussen, ob wir Bluthochdruck entwickeln? Eine Arbeitsgruppe um Sixin Deng (Waseda-Universität, Tokio) ist dieser Frage in einer vierjährigen Langzeitstudie nachgegangen. Die Ergebnisse liefern interessante Hinweise – zeigen aber auch klar: Persönlichkeit ist kein Hauptfaktor, sondern ein möglicher zusätzlicher Einfluss unter vielen.
Die Studie im Überblick
- Studiendesign: 4-jährige Längsschnittstudie
- Teilnehmer: 7.321 Erwachsene in Japan
- Zeitraum: 2019–2022
- Erfassung der Persönlichkeit: „Big Five“ (Kurzskala TIPI-J)
- Endpunkte:
- Neu aufgetretener Bluthochdruck („incident hypertension“)
- Anhaltender Bluthochdruck („sustained hypertension“)
- Statistik: Statistische Analyse, bei der mehrere mögliche Ergebnisse verglichen werden und dabei Faktoren wie Alter, Geschlecht und Einkommen berücksichtigt werden.
Wichtig: Die Analyse berücksichtigt bekannte Einflussfaktoren. Die Effekte der Persönlichkeit wurden zusätzlich dazu berechnet.
Die Ergebnisse im Detail
1. Gewissenhaftigkeit
Ergebnis: Geringeres Risiko für Bluthochdruck.
Eine höhere Gewissenhaftigkeit war statistisch signifikant mit einem reduzierten Risiko für sowohl neu auftretenden als auch anhaltenden Bluthochdruck verbunden.
Wie stark war der Effekt? Die berechneten Odds Ratios lagen leicht unter 1. Das bedeutet: Mit zunehmender Gewissenhaftigkeit sank die Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck – allerdings nur in moderatem Ausmaß.
Interpretation: Der Effekt war statistisch signifikant, aber klein bis moderat. Persönlichkeit ersetzt keine klassischen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel oder Salzaufnahme.
2. Offenheit für Erfahrungen
Ergebnis: Leicht erhöhtes Risiko für anhaltenden Bluthochdruck.
Eine höhere Offenheit war mit einem erhöhten Risiko für „anhaltenden Bluthochdruck (sustained hypertension)“ assoziiert.
Wie stark war der Effekt? Die Odds Ratios lagen leicht über 1. Auch hier handelte es sich um einen kleinen, aber statistisch signifikanten Effekt.
Für neu auftretenden Bluthochdruck zeigte sich dieser Zusammenhang nicht konsistent.
3. Extraversion
Ergebnis: Kein signifikanter Zusammenhang.
Nach statistischer Kontrolle anderer Faktoren zeigte sich kein verlässlicher Effekt auf das Hypertonierisiko.
4. Verträglichkeit
Ergebnis: Kein signifikanter Zusammenhang.
Auch hier ergaben die Modelle keine signifikante Risikoänderung.
5. Neurotizismus
Ergebnis: Kein unabhängiger Effekt.
Obwohl Neurotizismus oft mit Stress in Verbindung gebracht wird, zeigte sich in dieser Analyse kein eigenständiger statistischer Zusammenhang mit Bluthochdruck.
Wie sind diese Effekte einzuordnen?
Wichtig für die Bewertung:
- Die Effekte waren statistisch signifikant, aber nicht stark ausgeprägt.
- Die Odds Ratios lagen jeweils nah an 1 – es handelt sich also nicht um große Risikoänderungen.
- Alter, Geschlecht und andere klassische Risikofaktoren hatten deutlich stärkere Einflüsse.
Das bedeutet: Persönlichkeit kann eine begleitende Rolle spielen, ist aber kein dominanter Risikofaktor.
Mögliche Erklärung
Warum könnte Gewissenhaftigkeit schützen?
Menschen mit hoher Gewissenhaftigkeit:
- halten sich eher an ärztliche Empfehlungen
- messen regelmäßiger ihren Blutdruck
- achten stärker auf Ernährung und Bewegung
- nehmen Medikamente zuverlässiger ein
Die Persönlichkeit wirkt also vermutlich indirekt über Verhalten.
Was bedeutet das für Sie?
Ihre Persönlichkeit bestimmt nicht, ob Sie Bluthochdruck bekommen. Aber bestimmte Eigenschaften – vor allem Gewissenhaftigkeit – könnten dabei helfen, gesunde Routinen konsequenter umzusetzen.
Entscheidend bleiben:
- regelmäßige Blutdruckmessung
- Bewegung
- ausgewogene Ernährung
- Gewichtsregulation
- konsequente Medikamenteneinnahme
Persönlichkeit ist ein interessanter Zusatzfaktor – Ihr Verhalten bleibt der wichtigste Hebel.
Wenn Sie Ihren Blutdruck regelmäßig dokumentieren möchten, unterstützt Sie BlutdruckDaten dabei, den Überblick zu behalten und Veränderungen frühzeitig zu erkennen.
Autor Horst Klier befasst sich seit 2002 – zunächst aus eigener Betroffenheit und seit 2009 als Entwickler von BlutdruckDaten – intensiv mit Bluthochdruck; dank seiner millionenfach genutzten App und Fachplattform sowie zahlreichen Publikationen gilt er heute als ausgewiesener Blutdruck-Experte. Als Autor mehrerer Gesundheitsratgeber und Fachartikel vermittelt er komplexes Wissen verständlich und praxisnah.

