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Blutdruck und Psyche

Blutdruck und Psyche
Bluthochdruck ist eine gesundheitliche Herausforderung, die nicht nur physische, sondern auch psychische Aspekte umfasst. Schon eine bestimmte Erwartung der Betroffenen oder der Arztbesuch alleine können die Blutdruckwerte verändern bzw. die Wirkung einer Therapiemaßnahme beeinflussen (Placebos, Weißkittelhypertonie). Das Zusammenspiel zwischen Psyche und Bluthochdruck ist somit ein faszinierendes Themenfeld. Es zeigt, wie psychische Zustände die Entstehung, den Verlauf und den Umgang mit erhöhtem Blutdruck beeinflussen und umgekehrt.

Die Rolle der psychischen Gesundheit

Die Psychosomatik von Bluthochdruck untersucht, wie Gedanken und Gefühle unseren Körper beeinflussen können. Vielen ist bekannt, dass Stress ein wichtiger Grund für Bluthochdruck sein kann. Stress kann jedoch oft durch psychische Probleme wie Depressionen, Ängste oder Essstörungen verursacht werden. Wenn ein Mensch unter solchen Problemen leidet, kann es sein, dass er später Bluthochdruck entwickelt. In den aktuellen Leitlinien der ESH wird Depression als Risikofaktor für Bluthochdruck bei bestimmten Personengruppen genannt.

Auch das Auftreten von Panikattacken ist bei Menschen mit Bluthochdruck mit einer Häufigkeit von bis zu 39 % deutlich erhöht. Eine Panikattacke ist ein plötzlicher Zustand intensiver Angst, begleitet von Herzrasen, Atemnot und Schwindel. Ob die Panikattacken zu Bluthochdruck führen oder umgekehrt, ist bisher jedoch noch ungeklärt. Eine Vermutung hierzu ist der "Etikettierungseffekt". Das heißt, dass die Diagnose oder Behandlung von Bluthochdruck bei manchen Menschen Ängste auslöst. Diese Ängste könnten dann wiederum zu den Panikattacken führen. Es kann auch vorkommen, dass Bluthochdruckbetroffene, die unter Panikattacken leiden, aufhören, ihre Medikamente gegen Bluthochdruck zu nehmen. Der Grund dafür könnte sein, dass sie die Anzeichen der Panik fälschlicherweise als Nebenwirkungen der Medikamente deuten. Deshalb ist es notwendig, die Panik bei Menschen mit Bluthochdruck richtig zu erkennen und zu behandeln.

Emotionen im Alltag

Nicht nur Stress, sondern auch andere Emotionen sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Alltags. Untersuchungen haben gezeigt, dass starke negative Emotionen wie Wut den Blutdruck erhöhen können. Im Gegensatz dazu können positive Emotionen (z. B. Ruhe, Gelassenheit) den Blutdruck senken. Es ist wichtig, seine eigenen Gefühle richtig zu erkennen, um sie gut zu regulieren.

Manchmal passiert es aber, dass man seine Gefühle gar nicht bemerkt oder nicht gut ausdrücken kann. Das nennt man Alexithymie. Das erschwert die Kommunikation zwischen dem eigenen Inneren und dem Körper. Gerade bei Menschen mit Bluthochdruck tritt Alexithymie vermehrt auf, mit Häufigkeiten zwischen 16 % und 55 %. Diese "Gefühlsblindheit" kann für Betroffene sehr viel Anspannung und Stress bedeuten. Das bedeutet, dass Alexithymie dazu beitragen könnte, dass Bluthochdruck entsteht und weiter andauert.

Wie die Persönlichkeit den Blutdruck beeinflusst

Die Persönlichkeit eines Menschen spielt ebenfalls eine besondere Rolle bei Bluthochdruck. So können bestimmte Persönlichkeitseigenschaften dazu führen, dass jemand eher ein Risikoverhalten, wie zum Beispiel Rauchen, zeigt. Sie können auch beeinflussen, wie man mit der Krankheit umgeht, also beispielsweise Medikamente einnimmt, oder auch wie man mit Stress umgeht. Insbesondere Eigenschaften wie starker Ehrgeiz, Ungeduld, Aggressivität und die Tendenz, Stressreaktionen und Ärger zu unterdrücken, werden bei vielen Menschen mit Bluthochdruck wiederholt festgestellt.

Auf der anderen Seite kann ein hohes Maß an Mitgefühl zu einem niedrigeren diastolischen und systolischen Blutdruck beitragen. Möglicherweise kann es sogar Menschen mit familiärer Veranlagung vor Bluthochdruck schützen.

Psychologische Ansätze zur Bewältigung

Beim Umgang mit Bluthochdruck ist es also auch wichtig die Psyche des Menschen einzubeziehen. Hierzu gehören Entspannungsverfahren, wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson und Meditation. Diese können beruhigend wirken und Stress reduzieren.

Entspannungsübungen helfen jedoch nur wenig, wenn größere Ängste und Belastungen bestehen. In einer psychotherapeutischen Behandlung lernen Menschen, ihre Gefühle besser zu erkennen, zu verstehen und damit umzugehen. Zum Beispiel haben sich Verhaltenstherapien, die darauf abzielen, die Lebensweise zu verändern, als sehr wirkungsvoll bewiesen.

Wenn es um Bluthochdruck geht, ist es also wichtig zu verstehen, dass die Psyche eine große Rolle spielt. Die Beziehung zwischen unserer Gefühlswelt und unserer körperlichen Gesundheit ist komplex. Eine umfassende Herangehensweise, die nicht nur die medizinische Behandlung, sondern auch unsere Gefühle einbezieht, kann helfen, besser mit Bluthochdruck umzugehen. Im Falle von Sorgen um Ihre psychische Gesundheit ist es ratsam, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Von Hanna Kolonovits (MSc). Dieser Artikel ist medizinisch-fachlich geprüft. Letzte Aktualisierung (11/2023).

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