Niedriger Blutdruck (Hypotonie)

Kennen Sie das Gefühl, am Morgen nur schwer in die Gänge zu kommen und trotz einer guten Nacht nicht erholt zu sein? Während des Tages sind Sie schlapp, manchmal wird Ihnen nach längerem Stehen schwindelig und Sie neigen zu kalten Händen und Füßen.  Alle diese Beschwerden können auf einen niedrigen Blutdruck hinweisen. Aufschluss gibt eine Blutdruckmessung: Ergibt sie bei Frauen ein Wert unter 100/60 mmHg bzw. für Männer unter 110/70 mmHg, so besteht ein niedriger Blutdruck. Ein niedriger Blutdruck, der auch unter dem lateinischen Begriff Hypotonie bekannt ist, in der Regel kein gefährliches Anzeichen. In Deutschland sollen etwa fünf Prozent der Bevölkerung an einem niedrigen Blutdruck leiden. Da die Hypotonie nur in Deutschland als eigenständige Krankheit angesehen wird, wird sie im Ausland manchmal leicht spöttisch als "german disease", deutsche Krankheit, bezeichnet. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein niedriger Blutdruck Hinweis auf eine andere Erkrankung sein kann.

In der Medizin werden verschiedene Formen des niedrigen Blutdrucks  unterschieden:
Zunächst anhand der Dauer des Auftretens in eine  chronische und in eine akute Hypotonie, dann wird auch zwischen primärer  und sekundärer Hypotonie unterschieden. Die primäre Form lässt keine  eindeutige Ursache erkennen. Meist sind junge, schlanke Menschen und  vermehrt Frauen betroffen, sodass die körperliche Konstitution als  mögliche Ursache in Frage kommt. Eine erbliche Veranlagung spielt  ebenfalls eine Rolle, aber auch Infekte können zeitweise zu einem  niedrigen Blutdruck führen. Ebenso können Medikamente, starker  Flüssigkeits- oder Salzmangel dafür verantwortlich sein. Dagegen gilt  als Ursache der sekundären Hypotonie stets eine Grunderkrankung, zum  Beispiel eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder  eine Schilddrüsenunterfunktion.

Die im Zusammenhang mit einem niedrigen Blutdruck auftretenden  Beschwerden können von Person zu Person verschieden sein. Allgemein  werden sie jedoch durch eine Unterversorgung des Gehirns mit Blut  verursacht. Dies kann sich in Form von Müdigkeit,  Konzentrationsschwäche, Abgeschlagenheit und depressiven Verstimmungen  äußern. Zusätzlich kann es zu einem ausgeprägten Kälteempfinden,  verminderter Leistungsfähigkeit und Schlafstörungen kommen. Häufiger  führt die Unterversorgung des Gehirns zu Schwindelerscheinungen,  besonders nach langem Stehen oder raschen Positionswechseln. Mitunter  kann auch eine Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit resultieren. Außerdem kann  schwüles, warmes Wetter die Beschwerden steigern. Im Gegensatz zu einem  Bluthochdruck hat ein zu niedriger Blutdruck keinen negativen Einfluss  auf das Gefäßsystem. Das Gegenteil ist sogar der Fall: Mit einer  Hypotonie bleiben die Arterien und Venen auf Dauer jung, sodass einem  Schlaganfall, Herzinfarkt oder einer Arteriosklerose vorgebeugt wird.  Trotz der positiven Bilanz erweisen sich die durch einen niedrigen Blutdruck hervorgerufenen Beschwerden für die Betroffenen oftmals als unangenehm.  Liegt keine Grunderkrankung vor, lassen sich die Beschwerden durch  einige Veränderungen im Lebensstil wirkungsvoll lindern.

Bereiten das morgendliche Aufstehen und Positionswechsel  Schwierigkeiten, dann empfiehlt es sich, diese Situationen langsamer  anzugehen, um dem Körper mehr Zeit für eine Anpassung des Blutdrucks zu  geben. Ein wichtiges Mittel zur Selbsthilfe stellt die tägliche Bewegung  dar. Sie muss noch nicht einmal in Form von Sport ausgeübt werden,  regelmäßige Spaziergänge sind meist ausreichend. Der Blutdruckanstieg  während des Sports wirkt sich im Gegenteil sogar nachteilig auf den  niedrigen Blutdruck aus, da im Anschluss an die starke Belastung der  Blutdruck noch weiter sinkt. Stattdessen ist im Alltag auf mehr Bewegung  zu achten - Gehen oder Treppensteigen haben in der Regel schon einen  lindernden Effekt. Ein moderat betriebener Ausdauersport ist ebenso  förderlich. Häufig wird das Trinken von Kaffee oder Sekt empfohlen.  Beides bringt jedoch nur kurzzeitig eine Linderung mit sich. Vielmehr  ist auf eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit, am besten in Form  von Wasser oder ungesüßtem Tee, zu achten, da es das Blutvolumen erhöht.  Zwei Liter täglich sind hierfür eine gute Richtlinie. Darüber hinaus  haben wechselwarme Duschen, idealerweise schon nach dem Aufstehen, einen  den Kreislauf stabilisierenden Effekt. Auch die Ernährung spielt eine  wesentliche Rolle: Üppige Mahlzeiten sollten vermieden werden, da sie  das Blut zum Nachteil des Gehirns in den Bauchraum ziehen. Stattdessen  sind, über den Tag verteilt, mehrere kleine Portionen zu bevorzugen.  Unterstützend kann auch beim Essen mit gutem Gewissen gesalzen werden,  da Salz Wasser im Blut bindet und das den Blutdruck erhöht. Meist haben  die genannten Verhaltensweisen einen positiven Einfluss auf den  niedrigen Blutdruck. Nur dann, wenn die Beschwerden dadurch nicht  gebessert werden können, sollte gegebenenfalls der Einsatz von  Medikamenten in Erwägung gezogen werden.

Hinweis: Bei  BlutdruckDaten.de benutzen wir immer wenn nötig die Grenze 105/65 für  niedrigen Blutdruck (Hypotonie). Andernfalls müssten wir niedrige Werte  nach der Hypertonie-Skala als "optimal" bezeichnen.

Text medizinisch-fachlich geprüft und überarbeitet von
Sabine Croci (10/2016).









 

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