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Bluthochdruck und Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel (NEM) sind wortwörtlich in aller Munde - zumindest möchte uns das die Werbung glauben machen. Allgegenwärtig wird uns vor Augen gehalten, dass wir Mittel X, Y oder Z benötigen, um gesund, leistungsfähig, jung, schön oder was auch immer zu bleiben oder zu werden.

Eher implizit als offen beworben werden in der Regel Wirkungen auf bestimmte Erkrankungen. Auch wenn NEMs in ihrer Darreichungsform als Kapseln, Tropfen, (Brause‑)Tabletten usw. Arzneimitteln ähneln, sind sie rechtlich als Lebensmittel eingeordnet und der Zweck darf nicht die Linderung oder Heilung von Krankheiten sein. Selbstverständlich dürfen Sie auch keine unerwünschten Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Jedoch suggerieren Werbetexte und Beschreibungen entsprechende Wirkungen zu haben. Doch was ist da eigentlich daran? Entsprechend unserem Fachbereich rund um den Blutdruck haben wir uns mit dem Thema Nahrungsergänzungsmittel eingehender beschäftigt.

Zunächst einmal sollte man sich die Frage stellen, ob man das Ergänzungsmittel tatsächlich benötigt. Denn abgesehen von bestimmten Risikogruppen, ist es in der Regel nicht notwendig, die Ernährung zu ergänzen. Viel wichtiger ist es, die Ernährung selbst ausgewogen zu gestalten. Der Versuch, eine einseitige Ernährung mit Ergänzungsmitteln zu kompensieren, ist wenig zielführend.

Oben genannte Risikogruppen können z. B. Schwangere oder Menschen mit einer Darmerkrankung sein, die einen erhöhten Bedarf an bestimmten Nährstoffen oder Probleme haben, diese in ausreichender Menge aus der Nahrung aufzunehmen. In diesen Fällen wird die Supplementierung, also die gezielte Ergänzung der Nahrung, immer in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.

Selbstverständlich gibt es im breiten Feld der Nahrungsergänzungsmittel einige, die besser, und andere, die weniger erforscht sind. Allgemein fällt aber auf, dass die tatsächlich nachweisbaren Wirkungen eigentlich immer weit hinter den Werbeversprechen zurückbleiben. Dies gilt vor allem für neue, frisch "gehypte" Mittel, die ein breites Wirkungsspektrum, quasi zwischen Haarausfall und Fußpilz, versprechen.

CBD-Produkte

Als Beispiel könnte man hier das CBD-Öl (Cannabidiol-Öl) anführen, zu dem es mittlerweile zwar Studien gibt, viele jedoch kaum die Werbeversprechen belegen. Unseren ausführlichen Artikel dazu finden Sie hier:
Hilft CBD- oder Hanf-Öl gegen Bluthochdruck?

Ashwagandha

Auch Ashwagandha ist ein momentan relativ populäres Beispiel. Der aus dem Ayuverda bekannten Schlafbeere wird grosse Wirkung nachgesagt.
Beschäftigt man sich aber näher damit, findet man auch diverse Studien, die diese oder jene Wirkung untersucht haben. Am besten untersucht ist hier die Wirkung auf den Schlaf sowie eine allgemein Stress-regulierende Wirkung, bei der jedoch bereits die Formulierung wenig spezifisch ist.

Sieht man sich die einzelnen Studien genauer an, fällt dem kritischen Leser schnell auf, dass diese Einschränkungen aufweisen. Die Studien liefen zumeist über einen nur kurzen Zeitraum, die Probanden, sofern es sich um Menschen und nicht um Tiere oder Reagenzgläser handelte, waren jung und/oder gesund.
Häufig findet man, unter Limitation aufgeführt, bereits einschränkende Formulierungen wie "sollte weiter erforscht werden". Aber auch Hinweise auf mögliche Nebenwirkungen finden sich nach etwas suchen.
So sollten z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankte sowie Menschen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen, ihren Arzt zurate ziehen, bevor sie Ashwagandha einnehmen.

Kalium

Es gibt einige wenige Nahrungsergänzungsmittel, die tatsächlich relativ gut erforscht sind, auch in ihrer Wirkung auf den Blutdruck. Jedoch gibt es bei erwünschten Wirkungen nahezu immer auch eine unerwünschte (Neben-)Wirkung. Als Beispiel kann hier Kalium dienen, das derzeit oft als alternatives Salz für Bluthochdruckgeplagte angepriesen wird, jedoch z. B. für Menschen mit einem Nierenleiden nicht geeignet ist.

Zink

Ein weiteres Beispiel ist Zink, das nicht nur als Salbe bei Verletzungen verwendet wird, sondern auch als Nahrungsergänzungsmittel in Zusammenhang mit dem Blutdruck eingesetzt wird. Zwar gibt es Hinweise, dass ein Mangel an Zink Bluthochdruck begünstigt, doch auch hier ist der aktuelle Stand der Forschung nicht weit genug, um eine Empfehlung als Nahrungsergänzung geben zu können.
Die Studien fanden bislang an Mäusen und Ratten sowie an humanen, also aus dem Menschen stammenden, Gefäßstücken statt. Sie zielen darauf, den Wirkmechanismus von Zink zu erforschen, um herauszufinden, ob dieses ein zukünftiges Ziel für auf die Gefäße abzielende Therapeutika, also Medikamente, darstellen kann.

Und auch Zink wird in der Regel über eine ausgewogene Ernährung in ausreichender Menge aufgenommen. Hingegen kann eine Überdosierung mit Zink, das den Schwermetallen zugerechnet wird, zu Vergiftungserscheinungen führen und z. B. die Aufnahme von Kupfer im Körper beeinträchtigen. Ein Kupfermangel wiederum kann zu neurologischen Problemen und Blutarmut führen.

Magnesium

Ähnlich verhält es sich mit Magnesium. Hier gibt es zwar Hinweise darauf, dass ein Mangel Bluthochdruck begünstigt, jedoch muss dies individuell nachgewiesen werden. Studien zeigten einen Einfluss von Magnesium auf den Blutdruck vornehmlich bei einem vorliegenden Magnesiummangel.
Und auch hier ist die Gefahr einer Überdosierung mit möglichen verheerenderen Folgen gegeben. So kann es bei einem Zuviel an Magnesium zu Lähmungserscheinungen, die auch die Atemmuskulatur betreffen können, und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand kommen.

Daher sollte die Einnahme von NEMs immer auch mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, insbesondere dann, wenn Medikamente eingenommen werden. Diese müssen gar nicht zwangsläufig wegen derselben Erkrankung verordnet sein, eine Wechselwirkung ist auch mit Anderen möglich. Daher ist es auch wichtig, bei der Frage nach der Medikamenteneinnahme nicht nur verordnete Mittel zu nennen, sondern auch die Einnahme frei verkäuflicher Präparate und auch "freiwillig" eingenommener Nahrungsergänzungsmittel anzugeben.

Nahrungsergänzungsmittel als Brausetablette

Besonderes aufmerksam sollte man bei Nahrungsergänzungmitteln sein, die als Brausetablette verabreicht werden. Diese können aufgrund eines hohen Natriumgehaltes den Blutdruck negativ beeinflussen. Dies fanden Forscher des saarländischen Universitätsklinikums heraus. Sie untersuchten sowohl frei verkäufliche als auch apothekenpflichtige Nahrungsergänzungs-Brausetabletten mit dem Ergebnis, dass diese im Durchschnitt 283,9 mg Natrium enthielten. Spitzenreiter war eine Vitamin-C-Brausetablette, die 564,7 mg Natrium beinhaltet, was 28 % der empfohlenen Tageshöchstdosis an Natrium entspricht. Wohlgemerkt in einer einzigen Brausetablette. Hypertoniker sollten daher in die Berechnung ihrer täglichen Salzdosis, auch evtl. eingenommene Brausetabletten mit einbeziehen.



Insgesamt betrachtet können die meisten Menschen alle benötigten Stoffe über die Nahrung aufnehmen. Überdosierungen einzelner Substanzen sind bei einer ausgewogenen Ernährung quasi nicht möglich. Dies ist im Gegensatz zu Nahrungsergänzungsmitteln, bei denen häufig ein Referenzwert des tatsächlichen individuellen Bedarfs fehlt und zudem auch die enthaltenen Einheiten des Wirkstoffs ebenso uneinheitlich sind wie die Einnahmeempfehlungen.

Überdosierungen kommen so leicht zustande. Oft heißt es, das Zuviel werde dann einfach wieder ausgeschieden. Dies gilt jedoch vornehmlich nur bei gesunden (!) Menschen. Bei vorerkrankten Personen kann es u. a. zu Stoffwechselstörungen kommen. Auch bürdet man einer bereits geschädigten Niere mit der Ausscheidung der zu viel genommenen Substanzen zusätzliche Last auf, was ein bestehendes Nierenleiden verschlimmern kann. Gerade Bluthochdruckpatienten sollten hier besonders vorsichtig sein.

Sprechen Sie daher mit Ihrem Arzt, ob die Ergänzung eines bestimmten Stoffes für Sie sinnvoll und ratsam ist. Im besten Fall geben Sie nur unnötig Geld aus, im schlimmsten Fall schaden Sie sogar Ihrer Gesundheit.

Von Sabine Croci. Dieser Artikel ist medizinisch-fachlich geprüft. Letzte Aktualisierung (01/2024).

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