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Hilft Jogurt gegen Bluthochdruck?

Viele Menschen mit Bluthochdruck fragen sich, ob Naturjogurt den Blutdruck senken kann. Tatsächlich deuten wissenschaftliche Untersuchungen darauf hin, dass bestimmte Probiotika einen kleinen positiven Einfluss auf den Blutdruck haben könnten. Der Effekt ist jedoch nicht bei allen Menschen gleich und lässt sich nicht auf jeden Jogurt übertragen.

Naturjogurt kann Teil einer herzgesunden Ernährung sein. Er ersetzt jedoch weder einen gesunden Lebensstil noch eine ärztlich verordnete Behandlung des Bluthochdrucks.

Jogurt

Warum könnte Jogurt den Blutdruck beeinflussen?

Jogurt entsteht durch die Fermentation von Milch mit Milchsäurebakterien. Einige dieser Bakterien zählen zu den Probiotika. Damit sind lebende Mikroorganismen gemeint, die in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen haben können.

Im Darm leben zahlreiche verschiedene Mikroorganismen. Diese Gemeinschaft wird als Darmmikrobiom oder Darmflora bezeichnet. Sie ist nicht nur an der Verdauung beteiligt, sondern steht auch mit dem Stoffwechsel, dem Immunsystem und der Gesundheit der Blutgefäße in Verbindung.

Bei Menschen mit Bluthochdruck wurden in Studien Veränderungen des Darmmikrobioms beobachtet. Unter anderem kann die Bildung kurzkettiger Fettsäuren vermindert und die Schutzfunktion der Darmbarriere beeinträchtigt sein. Dadurch könnten entzündungsfördernde Stoffe leichter in den Blutkreislauf gelangen und Prozesse unterstützen, die an der Entstehung von Bluthochdruck beteiligt sind.

Kann Jogurt den Blutdruck wirklich senken?

Die aktuelle Forschung liefert Hinweise darauf, dass bestimmte Probiotika den Blutdruck leicht senken können. In klinischen Untersuchungen wurden vor allem Produkte mit ausgewählten Lactobacillus-Arten geprüft. Dabei sanken die Blutdruckwerte in einigen Studien, während in anderen Untersuchungen keine deutliche Wirkung festgestellt wurde.

Jogurt-Senkung
Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit beschreibt bei Menschen mit Bluthochdruck Senkungen des systolischen Blutdrucks von etwa 3 bis 14 mmHg und des diastolischen Blutdrucks von etwa 1,5 bis 7 mmHg. 

Achtung: Diese Spannbreite darf jedoch nicht als zu erwartende Wirkung eines normalen Jogurts verstanden werden. Die untersuchten Produkte, Bakterienstämme, Dosierungen und Einnahmezeiten unterschieden sich erheblich.

Zudem reagierten einzelne Personengruppen unterschiedlich auf die Probiotika. Bei manchen älteren Menschen mit Bluthochdruck, bei Rauchenden oder bei Frauen nach den Wechseljahren mit metabolischem Syndrom zeigte sich teilweise keine Blutdrucksenkung.

Die bisherigen Ergebnisse sprechen daher nicht dafür, Jogurt als Behandlung gegen Bluthochdruck einzusetzen. Sie zeigen vielmehr, dass bestimmte probiotische Kulturen möglicherweise eine ergänzende Wirkung haben können.

Wie könnten Probiotika auf den Blutdruck wirken?

Forscher diskutieren mehrere mögliche Wirkmechanismen. Bestimmte Milchsäurebakterien können Stoffe bilden, die das Angiotensin-Converting-Enzym, kurz ACE, hemmen. Dieses Enzym spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutdrucks.

Außerdem könnten einige Probiotika die Bildung von Stickstoffmonoxid fördern. Stickstoffmonoxid unterstützt die Erweiterung der Blutgefäße und kann dadurch die Gefäßfunktion verbessern. Auch entzündungshemmende, antioxidative und immunregulierende Wirkungen werden untersucht.

Ein weiterer möglicher Ansatz ist die Stärkung der natürlichen Darmbarriere. Dadurch könnten weniger entzündungsfördernde Bestandteile von Darmbakterien in den Blutkreislauf gelangen. Welche dieser Mechanismen beim Menschen tatsächlich entscheidend sind, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Gilt die Wirkung für jeden Jogurt?

Nein. Ein herkömmlicher Jogurt ist nicht automatisch mit den in Studien untersuchten probiotischen Produkten vergleichbar. Entscheidend können die enthaltenen Bakterienstämme, deren Menge, die Lagerung und die Verzehrdauer sein.

Auch die Bezeichnung probiotisch bedeutet nicht, dass ein Produkt nachweislich den Blutdruck senkt. Derzeit ist noch nicht ausreichend geklärt, welche Bakterienarten besonders wirksam sind, wie hoch die optimale Dosierung ist und wie lange ein entsprechendes Produkt eingenommen werden müsste.

Hinzu kommt, dass viele Studien zum Jogurtverzehr Beobachtungsstudien sind. Sie können einen Zusammenhang zwischen regelmäßigem Jogurtkonsum und niedrigeren Blutdruckwerten zeigen, aber keine eindeutige Ursache beweisen. Menschen, die häufig Naturjogurt essen, ernähren sich möglicherweise insgesamt ausgewogener und achten stärker auf ihre Gesundheit.

Welcher Jogurt ist empfehlenswert?

Wer Jogurt gerne isst, kann Naturjogurt ohne Zuckerzusatz in eine ausgewogene Ernährung integrieren. Frisches Obst, Haferflocken oder ungesalzene Nüsse können ihn sinnvoll ergänzen.

Stark gezuckerte Fruchtjogurts und Dessertprodukte enthalten dagegen häufig viel Zucker. Sie bieten für die Herz-Kreislauf-Gesundheit keinen besonderen Vorteil. Beim Einkauf lohnt sich deshalb ein Blick auf die Zutatenliste und die Nährwertangaben.

Für Menschen mit Bluthochdruck ist nicht ein einzelnes Lebensmittel entscheidend, sondern die gesamte Ernährung. Eine Orientierung kann beispielsweise die DASH-Ernährung bieten. Auch ein dauerhaft geringerer Salzkonsum kann dazu beitragen, den Blutdruck zu senken. Weitere Informationen finden Sie im Artikel Blutdruck und Salz.

Unser Fazit

Bestimmte Probiotika könnten den Blutdruck leicht senken. Vor allem ausgewählte Lactobacillus-Arten zeigen in Studien mögliche positive Wirkungen auf das Darmmikrobiom, Entzündungsprozesse und die Funktion der Blutgefäße.

Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht pauschal auf jeden Jogurt übertragen. Noch ist nicht geklärt, welche Bakterienstämme, Mengen und Einnahmezeiten den größten Nutzen bieten. Auch reagieren nicht alle Menschen gleich.

Naturjogurt ohne Zuckerzusatz kann Teil einer herzgesunden Ernährung sein. Zur Behandlung von Bluthochdruck reichen Jogurt oder Probiotika allein jedoch nicht aus. Entscheidend bleiben eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, möglichst wenig Salz, regelmäßige Blutdruckkontrollen und die Einnahme ärztlich verordneter Medikamente.

Quellen

  • Jiang Z et al. Effects and mechanisms of probiotic supplementation on hypertension. Journal of Hypertension. 2026. doi: 10.1097/HJH.0000000000004258
  • Khalesi S et al. Effect of probiotics on blood pressure: A systematic review and meta-analysis of randomized, controlled trials. Hypertension. 2014;64:897-903.
  • Medical Tribune. Probiotika könnten den Blutdruck senken. Erschienen am 09.07.2026.


Dieser Artikel stammt von BlutdruckDaten – der seit 2011 führenden App, die täglich Hunderttausende bei der Blutdruckkontrolle unterstützt. Unsere Inhalte basieren auf sorgfältig recherchierten, evidenzbasierten Daten und werden kontinuierlich aktualisiert (Stand 07/2026).

Autorin Sabine Croci ist examinierte Medizinische Fachangestellte mit langjähriger Erfahrung in internistischer und kardiologischer Praxis wie auch in der ambulanten Pflege und leitet seit 2015 die Fachredaktion von BlutdruckDaten. Dank ihrer umfassenden Zusatzqualifikationen als Rettungssanitäterin, First Responder und in verschiedenen Therapie- sowie Notfallbereichen liefert sie fundierte, praxisnahe und verlässlich geprüfte Informationen.


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